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Ribeaud, José (1935-2019)

ArCJ 178 J Po 3354

Gebürtig aus Cœuve. Geboren am 22. November 1935 in Cœuve. Gestorben am 2. Februar 2019 in Berlin (D). Er stammte aus einer Familie von Kleinhändlern aus Cœuve. Verheiratet mit Monika Wothe, zwei Kinder. Katholisch.


Journalist und Autor.


R. besuchte die Schule in seinem Heimatdorf, danach das Collège Saint-Charles in Porrentruy. Er setzte seine Berufsausbildung an der École Prévôtoise in Moutier fort und erwarb ein Diplom als Direktionssekretär.

R. engagierte sich in der Gewerkschaftsbewegung und arbeitete von 1957 bis 1959 im Sekretariat des Schweizerischen Bau- und Holzarbeiterverbands (SBHV) in Moutier, bevor er sich dem Unterrichten von Französisch in Algerien (in El-Goléa), in Italien (in Bari), in Deutschland (in Lübeck) und in England sowie an der École Prévôtoise in Moutier zuwandte.

Er begann seine Karriere als Journalist (ohne entsprechende Ausbildung) im Jahr 1963 und wurde anschliessend Moderator der allerersten Nachrichtensendung der Westschweiz, die am Abend des 2. Oktobers 1966 um 20 Uhr ausgestrahlt wurde. Die Sendung, die nur etwa fünfzehn Minuten dauerte, wurde damals in einem winzigen Studio in Zürich produziert. Es handelte sich um eine vorgetäuschte Live-Sendung, die eine halbe Stunde zuvor aufgezeichnet worden war.

R. war von 1974 bis 1982 Chefredakteur der Westschweizer Fernsehnachrichten und wurde nach deren Umzug nach Genf Leiter des Korrespondentenbüros der Télévision suisse romande (TSR) in Zürich. 1974 interviewte er den sowjetischen Dissidenten Alexander Solschenizyn, eine Erfahrung, die er 2016 in einem Live-Interview aus Berlin anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Westschweizer Fernsehnachrichten als besonders prägend beschrieb. 1990 übernahm R. die Nachfolge von François Gross als Chefredakteur der Tageszeitung La Liberté, eine Position, die er sechs Jahre lang bis zu seiner Pensionierung innehatte.

Ab 1998 unternahm R. mehrere längere Auslandsaufenthalte in Madagaskar, insbesondere in Antsirabe im madagassischen Hochland, wo er auf Wunsch von Philippe Ranaivomanana (dem späteren Bischof von Antsirabe) einen regionalen Radiosender namens Radio Haja (Würde) gründete. Im folgenden Jahr gründete er in Zusammenarbeit mit Mgr. Félix Ramananarivo, dem damaligen Bischof von Antsirabe, die École Supérieure Spécialisée du Vakinankaratra (ESSVA), eine private Berufsschule. Um seine verschiedenen Projekte auf Madagascar realisieren und langfristig sichern zu können, gründete er 2002 in der Schweiz die Fondation Avenir-Madagascar (FAM).

Als Gegner der «identitären Bewegung» setzte er sich für die Mehrsprachigkeit in der Schweiz ein, indem er den Französischunterricht und den Gebrauch des Deutschen (anstelle der alemannischen Dialekte) in den öffentlich-rechtlichen Medien verteidigte. Zu diesem Thema veröffentlichte er mehrere Bücher, darunter: La Suisse à l’heure de vérité (Editions Universitaires Fribourg, 1992); Quand la Suisse disparaîtra (Es war einmal die Schweiz… Ein Plädoyer von José Ribaud, übersetzt von Erich Gysling, Zytglogge 1998); La Suisse plurilingue se déglingue (Vier Sprachen, ein Zerfall. Wie die Schweiz ihren wichtigsten Vorteil verspielt, übersetzt von Caroline Gutberlet, Nagel & Kimche, 2013). Während seiner journalistischen Karriere schrieb R. ausserdem das sehr erfolgreiche Buch Kurt Furgler à cœur ouvert (Kurt Furgler: Staatsmann und Mensch, übersetzt von Jean-Paul Rüttimann, Ex Libris, 1987). Nach seiner Pensionierung veröffentlichte er noch Maudite décharge : histoire d’un site contaminé et de son assainissement à la frontière franco-suisse (Alphil, 2014) sowie Didier Burkhalter, humaniste et homme de convictions (Alphil, 2018).

Für sein Engagement für die Mehrsprachigkeit in der Schweiz wurde er mit dem Preis der Œrtli-Stiftung ausgezeichnet (1987), ausserdem wurde er zum Ehrenmitglied des Schweizerischen Katholischen Journalistenverbandes ernannt (2002) und erhielt den Katholischen Kommunikationspreis der Medienkommission der Schweizer Bischofskonferenz (2003) sowie die Medaille des Nationalordens von Madagaskar (2006) für sein Engagement auf Madagaskar.

Im Jahr 2015 übergab R. sein gesamtes Privatarchiv dem Staatsarchiv des Kantons Jura, einschliesslich seiner Forschung zur Sondermülldeponie von Bonfol.

R. war Gründungsmitglied der Zürcher Sektion der Société jurassienne d’émulation.

Autor*in der ersten Version: Rémy Erba, 24/03/2024

Übersetzung: Pauline Dubosson, 26/05/2026

Archivbestände

ArCJ, 178 J Po 3351-Po 3360 ; 215 J ; 287 J 27.14

Bibliografie

Bildnachweis

José Ribeaud am Festival des fanfares démocratiques d'Ajoie in Coeuve, 23. Juni 1990. Fotografie, signiert pba, erschienen am 25. Juni 1990 in Le Pays. Quelle: ArCJ 178 J Po 3354.

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Zitiervorschlag

Rémy Erba, «Ribeaud, José (1935-2019)», Lexikon des Jura / Dictionnaire du Jura (DIJU), übersetzt aus dem Französischen von Pauline Dubosson, https://www.dictionnaire-du-jura.ch/d/notices/detail/1003935-ribeaud-jose-1935-2019, Stand: 29/05/2026.

ArCJ 178 J Po 3354
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