F | D

Totché

Totché (auch toetché, toétché, touetché, touètché, toitché, touétchi) ist ein leicht säuerlicher Rahmkuchen auf der Basis von Hefeteig. Er ist typisch für die Ajoie und den Kanton Jura, darüber hinaus jedoch als Spezialität der Jura-Region bekannt.


Der Name bedeutet in Patois (jurassische Mundart) einfach «Kuchen». Totché wird ganzjährig hergestellt und ist fester Bestandteil der kulinarischen Spezialitäten an jurassischen Volksfesten, insbesondere am Martinstag, der ansonsten stark von Schweinefleischgerichten geprägt ist.

Die ersten schriftlichen Quellen über den Totché stammen aus der ersten Hälfte des 20. Jh. und legen nahe, dass seine Herstellung mindestens bis in die Mitte des 19. Jh. zurückreicht und bezeichnen ihn als alte Tradition der Ajoie, die sich dann in den anderen Teilen des Jura verbreitete. Neuere historiografische Arbeiten sehen seinen Ursprung in den Haushalten und Bauernhöfen der ländlichen Ajoie, wo er von Hausfrauen und Bäuerinnen erfunden, entwickelt und weitergegeben wurde. Die Tradition des hausgemachten Totché besteht bis heute fort, daneben erfolgt eine Produktion durch regionale Bäckereien, die im 21. Jh. jedes Wochenende jeweils bis zu 70 Stück davon produzieren (zumindest in der Ajoie).

Einer im Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz vertretenen Hypothese zufolge hängt der charakteristische, leicht säuerliche Geschmack des Totché mit einer Eigenheit bei der Weiterentwicklung seines Rezepts nach der Einführung von Kühlsystemen in den 1950er Jahren zusammen. Wie bei vielen anderen für die Schweiz typischen Rahmkuchen hätte die Kühlung den säuerlichen Geschmack zum Verschwinden gebracht – was vor dem Zeitalter der Kühlschränke nicht möglich war, da der Rahm zum Zeitpunkt der Zubereitung der Kuchen oft bereits von Natur aus sauer war. Bei der Zubereitung des Totché aber wurde der natürlich saure Rahm durch einen nach neuen Methoden gezielt gesäuerten Rahm (crème acidulée) ersetzt.

Totché wird traditionell kalt serviert, gelegentlich auch lauwarm als Vorspeise. Das Grundrezept umfasst ausschliesslich Mehl, Milch, Hefe, Salz sowie Öl oder Butter für den Teig und sauren Rahm mit Eigelb für den Belag. Es gibt auch Varianten, insbesondere in der Ajoie (Teig mit Kartoffeln) sowie in den Franches-Montagnes und in der Region Delémont (Zugabe einer Prise Safran). Neuere Abwandlungen verwenden u.a. Kirsch im Teig oder Pfeffer im Belag.

Autor*in der ersten Version: Kiki Lutz, 07/09/2022

Übersetzung: Mickael Botelho Oliveira, 12/10/2026

Bibliografie

Literatur

  • Association des paysannes jurassiennes, Vieilles recettes de chez nous, Bd. 1, S. 142.
  • Arthur Daucourt, « Noëls jurassiens », in Archives suisses des traditions populaires, Bd. 2, 1908-1909, S. 124-134, S. 127.
  • M. F. Fridelance, « Dictons du Jura bernois », in Le conteur vaudois : journal de la Suisse romande, Bd. 57, 1919, S. 1.
  • Lionel Guenin, « Pro Jura et la Saint-Martin : comment transformer une tradition en enjeu touristique majeur », in Actes de la Société jurassienne d’Émulation, Bd. 119, 2016, S. 225-240, S. 225, S. 233.

Websites

Zitiervorschlag

Kiki Lutz, «Totché», Lexikon des Jura / Dictionnaire du Jura (DIJU), übersetzt aus dem Französischen von Mickael Botelho Oliveira, https://www.dictionnaire-du-jura.ch/d/notices/detail/1003905-totche, Stand: 15/10/2026.

Wir verwenden Cookies, um Ihre Erfahrung auf unserer Website zu verbessern. Wenn Sie weiter surfen, erklären Sie sich mit unserer Verwendung von Cookies einverstanden.