Totché (auch toetché, toétché, touetché, touètché, toitché, touétchi) ist ein leicht säuerlicher Rahmkuchen auf der Basis von Hefeteig. Er ist typisch für die Ajoie und den Kanton Jura, darüber hinaus jedoch als Spezialität der Jura-Region bekannt.
Der Name bedeutet in Patois (jurassische Mundart) einfach «Kuchen». Totché wird ganzjährig hergestellt und ist fester Bestandteil der kulinarischen Spezialitäten an jurassischen Volksfesten, insbesondere am Martinstag, der ansonsten stark von Schweinefleischgerichten geprägt ist.
Die ersten schriftlichen Quellen über den Totché stammen aus der ersten Hälfte des 20. Jh. und legen nahe, dass seine Herstellung mindestens bis in die Mitte des 19. Jh. zurückreicht und bezeichnen ihn als alte Tradition der Ajoie, die sich dann in den anderen Teilen des Jura verbreitete. Neuere historiografische Arbeiten sehen seinen Ursprung in den Haushalten und Bauernhöfen der ländlichen Ajoie, wo er von Hausfrauen und Bäuerinnen erfunden, entwickelt und weitergegeben wurde. Die Tradition des hausgemachten Totché besteht bis heute fort, daneben erfolgt eine Produktion durch regionale Bäckereien, die im 21. Jh. jedes Wochenende jeweils bis zu 70 Stück davon produzieren (zumindest in der Ajoie).
Totché wird traditionell kalt serviert, gelegentlich auch lauwarm als Vorspeise. Das Grundrezept umfasst ausschliesslich Mehl, Milch, Hefe, Salz sowie Öl oder Butter für den Teig und sauren Rahm mit Eigelb für den Belag. Es gibt auch Varianten, insbesondere in der Ajoie (Teig mit Kartoffeln) sowie in den Franches-Montagnes und in der Region Delémont (Zugabe einer Prise Safran). Neuere Abwandlungen verwenden u.a. Kirsch im Teig oder Pfeffer im Belag.
Autor*in der ersten Version: Kiki Lutz, 07/09/2022
Übersetzung: Mickael Botelho Oliveira, 12/10/2026
Bibliografie
Literatur
- Association des paysannes jurassiennes, Vieilles recettes de chez nous, Bd. 1, S. 142.
- Arthur Daucourt, « Noëls jurassiens », in Archives suisses des traditions populaires, Bd. 2, 1908-1909, S. 124-134, S. 127.
- M. F. Fridelance, « Dictons du Jura bernois », in Le conteur vaudois : journal de la Suisse romande, Bd. 57, 1919, S. 1.
- Lionel Guenin, « Pro Jura et la Saint-Martin : comment transformer une tradition en enjeu touristique majeur », in Actes de la Société jurassienne d’Émulation, Bd. 119, 2016, S. 225-240, S. 225, S. 233.
Websites
- www.helvetibox.ch/recette-toetche/ (1. September 2022).
- www.j3l.ch (1. September 2022).
- www.patrimoineculinaire.ch (14. Dezember 2020 ; 1. September 2022).
- www.rfj.ch/Htdocs/Files/v/259813.pdf (12. Januar 2021).
- www.swissmilk.ch (12. Januar 2021).
Zitiervorschlag
Kiki Lutz, «Totché», Lexikon des Jura / Dictionnaire du Jura (DIJU), übersetzt aus dem Französischen von Mickael Botelho Oliveira, https://www.dictionnaire-du-jura.ch/d/notices/detail/1003905-totche, Stand: 15/10/2026.

